Der DLR-Test: so läuft die Pilotenauswahl ab
Wer bei der Lufthansa Group oder einer anderen Airline mit DLR-Auswahl ins Cockpit will, kommt am DLR-Test nicht vorbei. Er hat den Ruf, besonders hart zu sein. Das liegt weniger an einzelnen Aufgaben als an der Mischung aus Zeitdruck, Länge und sehr gut vorbereiteter Konkurrenz. Hier erfährst du, wie die Auswahl aufgebaut ist, was im computergestützten Teil gemessen wird und wie du dich sinnvoll vorbereitest.
Wer testet und wie die Auswahl aufgebaut ist
Durchgeführt wird der Test von der Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg. Das Testzentrum hat nach Angaben des DLR 110 Computerarbeitsplätze und prüft jedes Jahr bis zu 10.000 Bewerberinnen und Bewerber, nicht nur für das Cockpit, sondern auch für die Flugsicherung und die Raumfahrt. Gemessen werden kognitive Fähigkeiten, berufsbezogenes Wissen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale.
Klassisch besteht die DLR-Auswahl aus zwei Stufen. Zuerst kommt die BU (Berufsgrunduntersuchung) für Ab-initio-Bewerber, bei Ready Entries heißt sie GU (Grunduntersuchung). Das ist der lange Testtag am Computer, an dem die meisten ausscheiden. Wer besteht, wird zur FQ (Firmenqualifikation) bzw. FU (Firmenuntersuchung) eingeladen: Gruppenübungen, Interviews und psychomotorische Aufgaben, bei denen es um Teamverhalten und Persönlichkeit geht.
Bei der European Flight Academy der Lufthansa Group heißt die erste Stufe heute schlicht „DLR-Test“. Du buchst ihn selbst, in Hamburg, Mailand oder Zürich, und bekommst danach ein Zertifikat mit Ratings von A (über Standard) bis D (unter Standard) in mehreren Kompetenzbereichen. Erst mit diesem Zertifikat kannst du dich bewerben. Danach folgen das Lufthansa Group Assessment mit Interviews, Gruppenübung und Psychomotorik sowie die flugmedizinische Untersuchung für das Medical Class 1. Laut Akademie ist das Zertifikat zwei Jahre gültig und kostet 427 € (Stand Oktober 2026). Andere Auftraggeber verwenden teils eigene Bezeichnungen und Abläufe. Maßgeblich ist immer, was in deiner Einladung oder Buchungsbestätigung steht.
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Die genauen Aufgaben veröffentlicht das DLR nicht, und sie werden weiterentwickelt. Die Bereiche, die die Lufthansa-Akademie nennt, sind aber eindeutig: Merkfähigkeit, Raumvorstellung, Englisch, Technik, Mathematik, Aufmerksamkeit, Psychomotorik, Mehrfacharbeit sowie Fragebögen zu Teamarbeit und Persönlichkeit.
Mathematik und Kopfrechnen
Der Teil, über den in Vorbereitungsforen am meisten gesprochen wird. Prozentrechnung, Dreisatz, Weg-Zeit-Geschwindigkeit, Einheiten umrechnen, oft ohne Papier und unter Zeitdruck. Das Niveau ist nicht hoch. Schwierig wird es, weil kaum jemand nach der Schule noch regelmäßig im Kopf rechnet. Genau deshalb bringt tägliches Üben hier am meisten.
Merkfähigkeit
Zahlen, Buchstabenfolgen oder Codes werden kurz gezeigt und müssen später wiedergegeben werden, oft nachdem dich eine andere Aufgabe abgelenkt hat. Manche Varianten laufen über Kopfhörer. Wer nur visuell geübt hat, wird davon gern überrascht.
Raumvorstellung
Würfel drehen, Körper aus anderen Blickwinkeln erkennen, Lage und Richtung bestimmen. Viele finden das beim ersten Kontakt verwirrend. Gleichzeitig verbessert sich kaum ein Bereich durch Übung so deutlich.
Aufmerksamkeit und Konzentration
Lange, eher monotone Prüf- und Suchaufgaben. Die Aufgabe selbst verstehst du in Sekunden. Gemessen wird, ob du nach zwanzig Minuten noch genauso sauber arbeitest wie am Anfang.
Psychomotorik und Mehrfacharbeit
Eine Steuer- oder Trackingaufgabe, bei dem du einen Punkt auf Kurs hältst, während nebenbei Rechen- oder Gedächtnisaufgaben auftauchen. Ruhige, kleine Korrekturen sind besser als hektisches Nachjagen. Fast alle schneiden beim ersten Versuch schwach ab, weil man so etwas im Alltag nie macht.
Englisch und Technik
Leseverständnis und Grammatik auf Englisch sowie Mechanik und Physik auf Schulniveau: Hebel, Zahnräder, Stromkreise, Kräfte. Das ist Wissen, keine Begabung, und damit der Teil, den du klassisch lernen kannst. Für die Ausbildung an der European Flight Academy brauchst du im Bereich Englisch mindestens ein B, weil die ATPL-Theorie auf Englisch unterrichtet wird.
Warum der Test als so schwer gilt
Zwei Gründe. Erstens die Vergleichsgruppe: Du wirst nicht an einer festen Prozentzahl gemessen, sondern an anderen Bewerbern, und die haben sich oft monatelang vorbereitet. Wer unvorbereitet kommt, landet deshalb weit unten, auch wenn er eigentlich fit ist. Zweitens die Ausdauer: Der Testtag ist lang, und die Genauigkeit in den letzten Stunden zählt genauso wie am Morgen.
Dein Vorbereitungsplan
Plane mindestens sechs bis acht Wochen ein, lieber mehr. Kurze, tägliche Einheiten schlagen jedes Wochenende mit stundenlangem Pauken.
- Woche 1–2: Bestandsaufnahme. Probiere jeden Aufgabentyp einmal aus und schreib dir auf, wo du am schwächsten bist. Fang gleichzeitig mit 15 Minuten Kopfrechnen pro Tag an.
- Woche 3–5: Schwächen gezielt angehen. Zwei Drittel der Zeit für deine zwei schwächsten Bereiche, der Rest zum Erhalten. Gedächtnis immer mit Ablenkung üben, nicht in Ruhe.
- Parallel: Wissen auffrischen. Physik und Mechanik aus der Mittelstufe, Englisch lesen und hören. Hier holst du mit wenig Aufwand sichere Punkte.
- Woche 6–8: Kombinieren und durchhalten. Mehrfacharbeit üben (Tracking plus Rechnen), und ein- bis zweimal pro Woche eine lange Einheit am Stück, damit du lernst, auch müde konzentriert zu bleiben.
- Letzte Tage: nichts Neues. Nur noch kurze Wiederholung, ausschlafen, Anreise nach Hamburg früh planen.
Nach der Buchung schickt dir die Akademie einen Link zu einer Vorbereitungssoftware. Nutze sie, um das Format kennenzulernen, und übe die Grundfähigkeiten zusätzlich im Alltag.
Typische Fehler am Testtag
- An einer Aufgabe hängen bleiben. Bei Zeitdruck kostet eine verbissene Aufgabe mehr als eine ausgelassene.
- Dem letzten Fehler nachtrauern. Wer gedanklich noch bei der vorigen Aufgabe ist, macht in der nächsten den nächsten Fehler.
- Beim Tracking übersteuern. Große, späte Bewegungen erzeugen Schwingungen und kosten mehr als kleine Abweichungen.
- Im Persönlichkeitsteil taktieren. Antworte ehrlich und konsistent. Ein künstlich „perfektes“ Profil fällt eher auf, als dass es hilft.
Wobei Brain Preflight hilft und wobei nicht
Brain Preflight bildet nicht den DLR-Test nach, sondern trainiert dieselben Grundfähigkeiten in kurzen täglichen Einheiten. Im Programm „Lufthansa / DLR (BU-GU)“ übst du mit 2-Back-Gedächtnis die Merkfähigkeit unter Last, mit den Rechengittern das Kopfrechnen, mit Würfelnetzen und Würfelstapeln die Raumvorstellung, mit Formen & Farben die Aufmerksamkeit, mit Psychomotorik das Tracking und mit logischen Zahlen- und Musterfolgen das schlussfolgernde Denken. Nicht abgedeckt sind Englisch, Physik und Technik, die Gruppenübungen und Interviews der zweiten Stufe sowie die Persönlichkeitsfragebögen. Dafür brauchst du anderes Material und echte Übung mit Menschen. Ein Bestehen kann dir keine App versprechen.
Starte dein DLR-Training — Brain Preflight im App StoreBrain Preflight ist eine iPhone-App mit kurzen Übungen für Eignungstests. Kostenlos startbar, funktioniert offline. Wir entwickeln die App selbst, dieser Ratgeber gehört zum selben Projekt. Wir haben keine Verbindung zum DLR oder zur Lufthansa Group.
FAQ
Kann ich den DLR-Test wiederholen?
Für das DLR-Zertifikat der European Flight Academy ja: Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, wählst du den neuen Termin selbst. Die Akademie empfiehlt, genug Vorbereitungszeit einzuplanen. Andere Auftraggeber haben eigene Regeln, frag dort nach.
Wie lange ist das DLR-Zertifikat gültig?
Laut European Flight Academy zwei Jahre. Es muss am Tag deines Lufthansa Group Assessments noch gültig sein, also bewirb dich nicht zu spät.
Was kostet der DLR-Test?
Für das Zertifikat über die European Flight Academy nennt die Akademie 427 € (Stand Oktober 2026). Rabattaktionen und Preise können sich ändern, prüf das bei der Buchung.
Wie gut muss mein Englisch sein?
Die ATPL-Ausbildung an der European Flight Academy läuft auf Englisch. Im Zertifikat brauchst du in Englisch mindestens ein B. Bei C oder D verlangt die Akademie einen Nachweis auf B2-Niveau.